Christine & ihre Hunde

November 30th, 2012

Auf dieser Seite möchte ich euch von meinen Hunden erzählen. Wie alles anfing und weiter ging.
Und wer alles einen festen Platz in meinem Herzen hat.

Alles begann in den 60er Jahren. Ich kleine Kröte (noch nicht mal in der Schule) hatte soo eine Affiniät zu Hunden, dass meine Eltern mir aus lauter Verzweiflung einen Hund kauften – in der Hoffnung, ich würde dann nicht mehr zu jedem wildfremden Hund hinrennen.
So zog Maxi bei uns ein. Ein Zwerglanghaardackelrüde. Ein großartiger, kleiner Hund.

Der Plan meiner Eltern ging aber nicht auf – ich lief nun MIT Maxi zu jedem wildfremden Hund hin.
Das alles spielte sich zu einer Zeit ab, in der Hunde noch frei rumliefen und es ganz normal war, dass sie sich auf der Straße trafen. Das muss man sich heute mal vorstellen: Hunde die morgens das Haus verlassen und einfach durch die Siedlung stromern, andere Hunde treffen (oder ihnen ausweichen), mit Kindern spielen und den ganzen Tag beschäftigt sind.
In unserem Wohngebiet gab es etliche Hunde, die sich uns oft anschlossen auf unseren Streifzügen. Einige holte ich regelmäßig ab. Anka, eine Colliehündin, war fast täglich bei mir. Oft zog ich mit 4-5 Hunden in den Wald.
Nur mit den Bauerhofhunden war oft nicht gut Kirschen essen. Die hatten etwas zu bewachen und zu verteidigen und das taten sie auch.
Maxi war mein bester Freund in meiner Kindheit. Es war so selbstverständlich, dass er bei mir war. Wie mein Zwilling. Er wurde 11 Jahre alt.
Ich war untröstlich, als er starb.


Dann folgten ein paar hundelose Jahre während meiner Ausbildung. Aber schon vor meinem Examen blieb ich beim Zeitunglesen immer wieder beim Tiermarkt hängen und eines Tages las ich:
“Allerbester, großer brauner Freund umständehalber mit großem Bedauern nur in liebevolle Hände abzugeben”
Brandy – ein Irish Setter zog direkt nach meinem Examen in mein Leben und in mein Herz ein.


Brandy war ein toller Hund. Anfangs hatten wir etwas Kompetenzgerangel – aber nach wenigen Wochen waren wir ein Herz und eine Seele.
In dieser ersten Zeit mit Brandy verunglückte meine Mutter tödlich. Brandy hat meine Not sehr wahrgenommen und war kaum noch von meiner Seite zu kriegen. Während meiner Singlejahre war er “der Mann” an meiner Seite – mit ihm hatte ich vor nichts Angst.
Männer, die mit meinem Hund nicht klar kamen, interessierten mich nicht.


Ich lernte meinen Mann kennen und 1985 zogen wir zusammen. Ich wurde schwanger und dachte, mein großer, brauner Freund zieht meine Kinder groß. Leider hatte das Leben einen anderen Plan. Mit nur 8 Jahren musste ich Brandy einschläfern lassen. Er hatte einen Tumor im Rückenmark und verlor innerhalb weniger Wochen die Kontrolle über seine Beine. Ende Dezember 1986 kam er nicht mehr alleine auf die Füße und wenn er einmal stand, lief, stolperte er wie auf Stelzen und konnte sich nicht wieder hinlegen – nur fallen lassen. Schrecklich.
Medikamentös hatten wir alles durch. Operieren konnte man das nicht. Am Abend vor Weihnachten musste ich ihn einschläfern lassen.

Mein damaliger Mann war völlig hilflos – da saß seine schwangere Frau und heulte sich die Augen aus dem Kopf wegen ihrem Hund. Wochenlang…
Was tat er?
Er schenkte mir zum ersten Muttertag (das Baby war noch inside) einen WELPEN.
Einen Gordon Setter aus liebevoller Hobbyzucht.

Ben.
Tja …. was soll ich zu Ben schreiben? Nicht nur, dass es natürlich der Wahnsinn war, Welpe + Baby…. (war ich am Stillen, musste der Hund raus, war ich mit dem Hund spazieren, wollte Stephan an die Brust….. uaaaaaaaaaaaahh)
Ben wurde nicht mein Hund.
Ich habe lange überlegt, ob ich das schreibe. Aber alles andere wäre nicht ehrlich.

Er war ein toller Spielgefährte für meine Kinder (die beide an ihm laufen lernten), aber Ben war und blieb Zeit seines Lebens ein Kindskopf. Ein Tölpel, ein Trottel – eine Freundin sagte mal scherzhaft: dein behindertes Kind.
Das traf es ganz gut.
Was für ein Kontrast zu Brandy.
Ben lernte so gut wie nix. Nicht dass er nicht wollte… er strengte sich so sehr an, dass das Zusehen schon fast weh tat. Er behielt einfach nichts. Als er größer wurde, schmiss er jedes Mal, wenn es klingelte, den Wohnzimmertisch (unter dem er schlief) durch die Gegend, weil er immer wieder vergaß, dass er viel zu groß war, um darunter aufzustehen.


Er war ein lieber Kerl, mit sehr tollem intuitiven Verhalten allen kleinen Lebewesen gegenüber.
Er zog kleine Kinder, kleine Katzen und auch kleine Igel groß.

Aber sowas einfaches wie “Sitz” und “Platz” brachte ihn an die Grenzen seiner Kapazitäten.
Gut zwischen uns wurde es erst, als ich es aufgab, ihm etwas beibringen zu wollen. Er war der große Freund der Kinder. Darin war er klasse.
Aber eben nicht MEIN Hund. Eher ein drittes Kind im Haus.

Ben wurde nicht alt. Mit 6 Jahren starb auch er an einem Tumor – dieser aber im Bauchraum.
Für die Kinder war das damals ein ähnlich großer Schlag wie für mich Jahre zuvor der Verlust von Brandy. Zumal im gleichen Jahr die Patentante und das Lieblingspony starben. Viel Tod und Verlust für so kleine Menschen. Stephan war 5 und Tom 2 Jahre alt.
Es war klar, dass es wieder einen Hund geben musste. Nur was für einen?
Ich hatte einen Rhodesian Rideback gesehen – die waren 1993 noch sehr selten – und träumte von solch einem majestetischen Hund. Mein Mann las in der Rassebeschreibung etwas von Löwenjagd und Diamantminen bewachen und davon, dass der RR, wenn er es ernst meint, sofort an den Hals geht…. (ob das so stimmt??)- und lehnte vehement ab. Da kamen so Aussagen wie: der Hund oder ich….    (heute weiß ich, dass ich den Hund hätte nehmen können *grins*)
Der Familienrat tagte. Und da wir Pferde hatten (und züchteten) und Bekannte (die ebenfalls Pferde hatten) mit Dalmatinern sooo supergute Erfahrungen gemacht hatten, überzeugte meine Sippe mich, dass der nächste Hund ein Dalmatiner sein sollte.
Disneyhunde ;) Die Kinder waren begeistert.

Vito zog bei uns ein

Vito
Er kluger Kopf und ein eigensinniger Kerl.
Wir mochten uns und kamen gut miteinander klar und er LERNTE – ich hatte viel Freude an ihm.
Wir machten auch etwas Hundesport, aber das was damals auf Hundeplätzen gemacht wurde, war mir zu militant.

Auch Vito schloss sich den Kindern eng an und als er älter wurde, litt er immer mehr, wenn die Kinder beide in Schule und KiGa waren.
Irgendwann war es so weit, dass er nur noch am Wochenende richtig fraß, wenn die Kinder beide da waren. Er magerte immer mehr ab, lag wochentags immer öfter zwischen den Kinderzimmern und jammerte.


Wir sprachen scherzhaft von einem dritten Kind – damit Vito was zum Aufpassen hat…. aber die Produktionszeit wäre für Vitos Gesundheitszustand zu lang gewesen und wir hätten nach wenigen Jahren wieder vor dem gleichen Problem gestanden: alle Kinder müssen in die Schule und den KiGa und der Hund dreht durch.
Also überlegten wir, einen zweiten Hund dazu zu nehmen um Vito zu beschäftigen. Da erreichte mich ein Notruf – eine kleine Dalmatiner-Welpine von 14 Wochen sollte wieder abgegeben werden, weil sie ihre neuen Halter überforderte. Ich schnaubte vor Ärger – man weiß doch, was man sich ins Haus holt, wenn man sich sowas Kleines anschafft.
Nun – diese Frau hatte es nicht annähernd geahnt und war völlig durch den Wind.
Sie saß bei mir in der Küche (ich hatte vorher überlegt, wie ich die Selbstbeherrschung aufbringe, ihr nicht an den Hals zu gehen) und tat mir nur noch leid. Sie war völlig fertig, überfordert und traurig. Und: sie hatte sich nicht in das Hundebaby verliebt.
Die kleine Maus war sofort mit den Kindern und Vito in den Garten gestürmt und eroberte die ganze Familie in wenigen Sekunden. Vito hatte wieder einen Job und war glücklich.

Nora
Nora war eine reine Ostblutzucht. Mir war damals gar nicht klar, was das hieß. Ein Ossi-Damatiner. Beide Elterntiere hatten eine Schutzhundeprüfung!  Und was für ein Gebäude!! Da hatte ich nun zwei Dalmatiner und das einzige, was sie gemeinsam hatten, waren die schwarzen Tupfen. Vito war wie ein Lord, Nora eher wie ein Straßenhund.


Vito war zart und filigran. Bei Regen ging er nicht raus und er setzte sich NIE in nasses Gras und er fraß (wenn es ihm schmeckte ) wie ein SIR.
Nora war groß und derb. Sie fraß wie ein Müllschlucker, klaute wie ein Rabe und überragte Vito um 4 cm und sie war 6 kg schwerer. Ihre Pfoten waren doppelt so breit wie Vitos Pfötchen und ihre Beine hätten auch einer kleinen Dogge gehören können. Ihr Fell war grober und struppiger und sie hatte von allem ein bisschen zuviel.
Zuviel Spieltrieb, zuviel Jagdtrieb, zuviel Hunger, zuviel Freude, zuviel Liebe und vieeeeeeeeeeeeeeeel zu viel Begeisterung.
Aus Nora hätte man locker zwei Hunde machen können :-)
Eigentlich nur als Zweihund für Vito angeschafft, eroberte sie mein Herz im Sturm.

Vito und Nora verbrachten viele Jahre mit uns. Sie zogen 2001 mit uns in eine kleine 3 Zimmer Wohnung, als ich mich von meinem Exmann trennte. Hunden ist es egal, ob sie auf 200 oder auf 65 m² leben. Sie waren bei uns – das war es, was zählte. Die Kinder wurden größer, die Hunde älter – wir zogen ein weiteres Mal um und hatten wieder viel Platz und einen schönen, abgeschirmten Garten für unsere beiden Oldies.
Beide starben im Jahr 2007. Erst Nora im Feburar, dann Vito im September. Nora hatte rundherum so schlimme Arthrosen, dass wir ihr nicht mehr helfen konnten. Vito hatte mit 15,5 Jahren einen Schlaganfall und war halbseitig ganz “weg” – er spürte nichts mehr und er konnte weder aufstehen, noch fressen.
Wir erlösten ihn.

Bis dahin waren mir alle meine Hunde “passiert”. Ich hatte sie geschenkt bekommen oder secondhand gekauft. Bei den Dalmatinern hatte der Familienrat getagt… Ich hatte mir noch NIE einen Hund selber, bewusst ausgesucht.
Schon in den letzten Jahren von Vito und Nora beschäftigte ich mich immer mal mit Hunderassen.
Ich schrieb zwei Listen:

1. was wünsche ich mir?
ca 60 cm (nicht bücken beim Anleinen)
langes Fell (der Kuschelfaktor *smile*)
Stehohren (finde ich optisch einfach ansprechender)
Klugheit
Entspanntheit

2. was möchte ich nicht?
Laufhunde (ich fahre nicht soo gerne Rad)
Jagdhunde ( doof, wenn das was am Horizont läuft, interessanter ist als ich es bin)
Schlappohren (alle meine Hunde hatten Schlappohren – und ich mochte schon immer Wolfsgesichter)
Stichelhaare (seit 2007 keine Dalmatiner mehr + zweimal umgezogen und ich finde IMMER NOCH weiße und schwarze Stichelhaare)

Da blieben nur die Collies und die altdeutschen Schäferhunde.
Ich besuchte einige Colliezuchten und merkte schnell, dass das so gar nichts mit dem Collie aus meiner Kindheit zu tun hatte.
Und dann …. begegnete mir ein ADSH aus der Linie, aus der auch Ella und Lilo stammen. Ich guckte mich auf der Seite der Züchterin um, und damit war es um mich geschehen. Es stand fest: mein nächster Hund wird ein altdeutscher Schäferhund. Zwei Monate nach Vitos Tod zog Ende November 2007 ein wuscheliges, kleines Wölfchen bei uns ein.
Ella – mein Traumhund.
Nach Brandy wieder ein Hund, mit dem ich sooo eng bin. Meine Freundin….
Lilo habe ich 2012 dazu genommen, damit ich nicht Ellas einziger alltäglicher Sozialpartner bin. Meine Kinder sind inzwischen beide erwachsen und ausgezogen und Ella war immer alleine, wenn ich arbeiten war oder abends mal weg wollte/musste und sie nicht mitnehmen konnte.
Jetzt hat sie Lilo.
Die beiden sind total süß zusammen und es macht mir immer wieder sehr viel Freude zu sehen, wie gut es Ella tut, eine Freundin zu haben.

 

 

 

 

 

  • Kommentare (1)

One Response to “Christine & ihre Hunde”

  1. Tinaon 08 Apr 2013 at 17:30

    Sehr schön, über die Entstehung deiner Hundebeziehungen zu lesen.

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